
Palma de Mallorca war jahrhundertelang rundherum von einer mächtigen Festungsmauer umgeben.
Historiker scheinen allerdings nicht immer übereinzustimmen darüber, welcher Teil von welcher Mauer in Palma aus der Zeit der Römer stammt (ca. 100 – 465 A. D.) und welcher Teil aus der Epoche der Mauren (etwa 900 – 1230 AD). Aber alle Quellen stimmen überein, daß die allumfaßenden Murallas (Stadtmauern) Palmas nicht vor 1562 errichtet wurden.
Aus der Geschichte wissen wir, daß die Insel Mallorca nach der Reconquista von 1229 unter Jaume I durch eine Periode relativen Friedens ging, die über 300 Jahre andauerte. Aber die technische Entwicklung von Waffen, und insbesondere von Kanonen, führte dazu, daß einstmals mächtige Städte wie z. B. Konstantinopel (im Jahre 1453) und Rhodos (im Jahre 1522) von feindlicher Hand eingenommen wurden. Diese beiden Eroberungen waren im Wesentlichen der Anstoß dafür, daß die Stadtältesten von Palma sich entschlossen, die Hauptstadt durch eine unbezwingbare Stadtmauer zu befestigen, die allen Feinden, woher immer sie auch kommen mochten, standhalten konnte.

Der hier gezeigte Plan (oben) stammt von 1596 und ist aus der Hand von Antoni Verger; in ihm zeigt sich die enorme Ausdehnung von Palmas Befestigungsanlagen. Der Bau scheint sich gelohnt zu haben; in den folgenden Jahrhunderten wurden keine wesentliche Angriffe mehr auf Palma verzeichnet. Es gab zwar weiterhin Piratenattacken auf Mallorca, aber diese richteten sich auf Orte wie Sóller (1550), Pollença (1561) und Santanyí (wiederholt zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert), und nicht auf Palma.

Das Entstehungsdatum des Gemäldes (oben) ist nicht bekannt, aber es muß um 1644 gemalt worden sein. Auch der Künstler ist unbekannt. Das Kunstwerk zeigt die Stadtbefestigungen Palmas im 17. Jahrhundert in all ihrer Pracht. Das Gemälde hing für mehr als 300 Jahre an der Wand im Salón de Plenos im Rathaus von Palma, ehe es dann im Castel de Bellver ausgestellt wurde, wo man es noch heute bewundern kann.

Die Planzeichnung (oben) stammt aus dem Jahr 1726 und zeigt Palmas Stadtmauern in ihrer endgültigen Form und Ausdehnung. Der minuziös detaillierte Plan wird Gerónimo Cánobes zugeschrieben, einem Ingenieur, der für den damaligen König arbeitete. In diesem Plan kann man sehr gut die Unterteilung der Stadt in zwei Ebenen erkennen: la vila d’amunt (die Oberstadt) und la vila d’avall (der untere Stadtteil), die auch heute noch wahrgenommen werden können.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts schien eine massive Befestigungsmauer plötzlich nicht mehr erforderlich zu sein. Die Stadtmauer von Palma wurde deshalb fast komplett eingerissen, um für eine Ringstraße Platz zu machen, und zwar da, wo heute die Avenidas zu finden sind. Einige schöne Teile der alten Mauer sind aber noch heute erhalten, wie zum Beispiel unterhalb von La Seu (der Kathedrale), im westlichen Teil des Passeig Sagrera (Baluard de Sant Pere), hinter dem Parc de la Mar (Baluard del Príncep) und an den östlichen Ausläufern des Parc de la Mar.
Früher kamen die Wellen des Mittelmeers bis unmittelbar an die Stadtmauern heran, und fast bis an den Fuß der Kathedrale. Das muß einen impressionanten Eindruck erweckt haben, meinen Sie nicht auch?
Das Foto wurde in Palma de Mallorca, Balearen (Spanien) aufgenommen. Das Datum: 1. April 2009. Die Uhrzeit: 13:35:34. Das Gemälde von 1644 sowie die beiden Planzeichnungen wurden von der Alta Mar-Website geborgt. Muchas gracias, Fabian.
2 Antworten zu „Die große Mauer von Palma“