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Die mallorquinische Sprache

llenguatge

Sprache scheint auf Mallorca ein heikles Thema zu sein. Zumindest mag das für den Außenstehenden so aussehen.

Bevor meine Frau und ich vor fast 22 Jahren nach Mallorca kamen, um hier zu leben, haben wir uns für das neue Leben vorbereitet, indem wir Sprachunterricht genommen haben. Als wir dann hier angekommen waren, merkten wir aber schnell, daß wir wohl die falsche Sprache gelernt hatten. Wir hatten Spanisch gelernt statt Mallorquín, die Sprache, die alle Mallorquiner unter sich sprechen.

Wir kriegten auch bald genug mit, daß während der Franco-Zeit (1936-1975) die Sprache auf Mallorca über eine lange Zeit hinweg politisch unterdrückt war. Ältere Mallorquiner werden noch immer unruhig und fangen an, zu flüstern, wenn man sie einmal nach dieser Zeit fragen möchte.

Ein mallorquinisches Ehepaar, mit dem wir uns schon vor Jahren angefreundet haben, spricht zuhause ausschließlich Mallorquinisch. Mit uns unterhalten sie sich aber auf Spanisch. Während ihrer Schulzeit war es ihnen verwehrt gewesen, ihre eigene Sprache zu erlernen. Sie wurden ausschließlich in Castellano unterrichtet. Falls sie heute mal einen Brief vom hiesigen Rathaus oder von sonst jemandem auf Mallorquinisch erhalten, können sie diesen nur schwer entziffern, obwohl er in ihrer eigenene Sprache geschrieben ist. Sie können auch kaum einen Brief auf Mallorquinisch selbst verfassen, weil man es ihnen nie beigebracht hat.

Ich halte die eigene Muttersprache und das Recht, sie zu lernen, zu sprechen und in ihr zu leben, für ein wichtiges Menschenrecht. Ich halte es auch für abwegig, daß Leute auf die Insel kommen und sich anmaßen, unseren Gastgebern vorzuschreiben, in welcher Sprache sie sprechen sollten und wie sie ihr Leben zu leben hätten.

Gestern abend besuchte ich das Festival de Poesia de la Mediterrània, und zwar in Palma im Teatre Principal. Dreizehn Dichter trugen einige ihrer Werke vor, ebenso wie auch Biel Mesquida, der der Verantwortliche für die Oganisation war, und der selbst auch Dichter und Schriftsteller ist. Falls ich richtig mitgezählt habe, wurden auf der Bühne gestern abend zehn verschiedene Sprachen gesprochen: Mallorquinisch, Katalanisch, Kastellanisch, Gallizisch, Maltesisch, Englisch, Italienisch, Slovenisch, Dänisch sowie Esperanto. Jede dieser Sprachen ist einzigartig, schön, warm, menschlich, würdig und wertvoll. Das nahezu ausschließlich mallorquinische Publikum gestern abend hatte keine erkennbaren Schwierigkeiten, auf die Dichtern einzugehen oder ihre Werke mit Beifall zu würdigen, egal, in welcher Sprache die Gedichte nun vorgetragen worden waren. Kommunikation ist nämlich mehr als nur die Sprache an sich.

Wir müssen wieder lernen, die Menschen wertzuschätzen (mitsamt ihrer Kultur, ihrer Seele, ihre Menschenwürde und auch ihrer Sprache, meinetwegen auch ihrer Religion). Wenn uns das nicht gelingt, dann ist es müßig, seltene Pflanzen, Schmetterlinge, Fledermäuse oder andere vom Aussterben bedrohte Tiere zu schützen, wenn wir dabei die wichtigste Spezie von Allen, den Menschen, zu übersehen.

Das Foto wurde in Felanitx, Mallorca, Balearen (Spanien) aufgenommen. Das Datum: 22. März 2009. Die Uhrzeit: 12:26:31.


1 Antwort zu „Die mallorquinische Sprache“


  1. 5 Juni 2009 um 11:54

    Das erinnert mich an mich selbst. Ich bin Deutscher, aber habe immer im Ausland gelebt und kann nur schlecht Deutsch schreiben. Eine andere Frage, wir waren gestern kurz in Felanitx – wie spricht man das aus, Felan- itch ? Und zum Thema Mallorquin, ist das Catalan?


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