29
Dez
08

Die Fensterrosen der Kathedrale Palmas

la_seu

Während der letzten vierzehn Tage konnte man in Palma ein einzigartiges Schauspiel beobachten, jeweils ganz früh am Morgen.

Am Tag der Wintersonnenwende trat das Licht der aufgehenden Sonne gerade durch die große Fensterrose der Ostfassade der Kathedrale von Palma (La Seu) ein, um dann sofort, direkt gegenüber, aus der Fensterrose der Westfassade wieder auszutreten. Diese nur einmal im Jahr gegebene astrometrische Erscheinung bot aus der Ferne einen überwältigenden Eindruck, fast so, als wäre die Kathedrale von innen festlich beleuchtet, was sie um diese Tageszeit natürlich nicht ist.

Der Effekt konnte besonders gut am Tag der Wintersonnenwende beobachtet werden, in diesem Jahr am 21. Dezember, dem Tag des Winterbeginns und gleichzeitig dem kürzesten Tag und der längsten Nacht des Jahres. Es handelt sich dabei um ein Vorkommnis, das bedingt ist durch den Winkel der Sonnenneigung, die an diesem Tag ihre maximale Deklination erreicht. Im nächsten Jahr, am Tag der Wintersonnenwende, können Sie sich selbst einen Eindruck von diesem überwältigenden, optischen Phänomen machen. Die absolut horizontale Linie des Sonnenlichts ist dabei jeweils am 21. oder 22. Dezember zu sehen, sowie mit geringen Gradabweichungen auch in den fünf oder sechs Tagen zuvor und danach.

Das Schauspiel des Sonnenlichts haben wir in dieser Form den genauen Berechnungen von Mathematikern, Baumeistern und Handwerksmeistern des Baus der Kathedrale zu verdanken. Der Bau der Kathedrale von Palma de Mallorca wurde im Jahre 1230 begonnen und, fast 400 Jahre später, erst 1601 vollendet. Das Kirchengebäude hat seither etliche bauliche Eingriffe und Modifizierungen erfahren, insbesondere nach einem Erdbeben, das sich 1851 ereignete und das das Hauptportal (die Westfassade) fast komplett zerstörte. Die bisher letzte wesentliche, bauliche Maßnahme wurde zwischen 1904 und 1914 durch den katalanischen Architekten Antoni Gaudí durchgeführt, von dem auch die heutige Gestaltung der beiden Fensterrosen stammt. Eines dieser beiden großen Rundfenster (das in Richtung Osten) ist zur Zeit wegen Restaurierungsarbeiten kaum zu sehen; die heftigen Stürme der letzten vierzehn Monate haben dort etliche Schäden verursacht.

Leider kann ich Ihnen kein Foto vom Schauspiel der Wintersonne von eigener Hand zeigen. Stattdessen biete ich Ihnen ein Foto an, das vom Diario de Mallorca veröffentlicht wurde. Dem Fotografen Lorenzo sei gedankt. Muchas gracias.

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