08
Mai
09

Zen und die Kunst des Holz-Bootsbaus

drassanas

Das Handwerk des Bootsbaus aus Holz ist für mich soetwas wie eine Kunstform.

Das traditionelle mallorquinische Fischerboot wird Llaüt oder auch Llagut genannt (man kann Llaüt-Boote auch in Menorca finden, dort allerdings mit einer etwas breiteren, niedrigeren Form). Diese Boote werden traditionsgemäß aus Holz gefertigt. Joan Cifre Bover ist ein Llaüts-Bootsbauer aus Portocolom und ein Mestre d’Aixa. Seine Drassana-Werkstatt ist eine der letzten vier oder fünf Betriebe, die es noch auf der Insel gibt, die noch Llaüts aus Holz ausbessern oder restaurieren, oder von Grund auf neu bauen.

Llaüts wurden ursprünglich mit Segeln ausgestattet, aber heute werden die meisten von ihnen mit Motoren bestückt. Ein Llaüt aus Holz mit einer Gesamtlänge von etwa 5,80 m kann bei Mestre Joan für etwa 30.000 € in Auftrag gegeben werden; man müsste etwa vier bis fünf Monate auf die Fertigstellung warten. Der ganze Prozess besteht ja aus Handarbeit. Extras und Sonderwünsche zur Ausstattung wie der Anstrich, ein Motor, ein Segel, oder ein Kabinenaufbau sind gesondert zu bezahlen. Heutzutage gehen viele Käufer allerdings fremd und verlangen statt der traditionellen Bauweise lieber eine Llaüt aus Faserverbundkunststoff statt aus Holz. Mir sind die hölzernen Boote aber lieber.

Ich bin selbst kein Segler und auch kein Angler, und ich bin leider auch nicht im Besitz einer Llaüt. Ich bewundere aber die jahrhundertealte Tradition dieses Handwerks und der damit einhergehenden Qualität. Auch die Zen-ähnliche Konzentration und Hingabe, die in den Prozess des Bootsdesigns und in den Vorgang des Bootsbaus per Hand einfließen, verlangen mir Hochachtung ab. Zen und die Kunst, ein Llaüt zu warten könnte gut und gerne der Titel eines – leider noch nicht geschriebenen – Buches über Llaüts sein, das ich gerne lesen würde.

Der Markt des Llaüt-Bootsbaus und -Absatzes ist leider gegenwärtig eher im Abschwung, und La Crisis hilft der Situation der Handwerksbetriebe natürlich auch nicht. Manche Experten sind schon besorgt darüber, daß es in zehn bis zwanzig Jahren möglicherweise keine Llaüt-Bootsbauer mehr auf Mallorca geben könnte. Einige Leute prophezeien auch schon, daß künftig Llaüts aus Mallorca oder aus Menorca nur noch in China hergestellt werden könnten.

Vielleicht sollte ich für den Erwerb eines der Meisterwerke von Joan sparen, um auch in meinen alten Tagen noch mit Stolz und Hochachtung auf dann meine Llaüt blicken zu können.

Das Foto wurde in Portocolom, Mallorca, Balearen (Spanien) aufgenommen. Das Datum: 6. Mai 2009. Die Uhrzeit: 18:30:26.

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